
6.
Tag: Pasargade und Persepolis - Geschichtsunterricht live
- Startort: Isfahan
- Route über: Yazd-e Khast, Pasargade
- Zielort: Persepolis
- Besichtigungen: Karawanserei bei Yazd-e Khast, Kyros-Grab
und Palast
- Fahrstrecke: 438 km
Schon wieder früh (7:30) aufstehen. Den Schlafwagen
zusammenpacken, fahrfertig machen und schon geht´s
los zum nächsten Ziel, Pasargade.
Auf nach Isfahan
Zunächst mußten wir im morgentlichen Verkehr
durch Isafahn fahren. Dort fielen mir die sogenannten 'Donation
Boxes' auf. Zuerst dachte ich es seien Briefkästen,
aber unser persischer Reisebegleiter klärte mich auf.
In diese Kästen werden keine Briefe eingeworfen, sondern
Geld. Jeder Moslem ist nach dem Koran verpflichtet, einen
Teil seines Einkommens für die Armen zu Spenden. Dazu
wurden die Donation Boxes aufgestellt. Über deren Inhalt
wird eine Art Sozialkasse finanziert, welche die Geldmittel
an die Bedürftigen verteilt. Im Prinzip wie der gute
alte Klingelbeutel in katholischen Kirchen.
Auf dem Weg nach Pasargad kamen wir an einigen Dörfern
und alten Karawansereien vorbei. Auffallend waren die Türme.
die in der Nähe von vielen Siedlungen zu sehen waren.
Es handelt sich dabei um sogenannten Taubentürme. In
diesen Türmen wurden tatsächlich Tauben gehalten.
Nicht weil sie schön anzuschauen wären, sondern
zur Produktion von Dünger. Taubenkot enthält viele
Nährstoffe, die Pflanzen gut gedeihen lassen und waren
die Tauben nützliche Tiere. In der kargen Landschaft
waren früher die Bauern froh, diesen Dünger zur
Ertragssteigerung zu haben.
Verlassenes Lehmdorf und Karawanserei
Bei Izadhvast (Yazd-e Khast) machten wir eine längere
Pause. Von der Straße marschierten wir einen Hügel
hinauf zu einer alten verlassenen Stadt. Die aus Lehm gebauten
Gebäude waren durch die Witterungseinflüsse ziemlich
ramponiert, aber es war immernoch gut zu erkennen, daß
die ehemaligen Bewohner von der Karawanserei an dem kleinen
Fluß im Tal gut gelebt hatte. Ganz verlassen war die
Stadt nicht. Einige der Häuser waren in guten Zustand
und an der Wäsche, die zum Trocknen an den Leinen hing,
konnte man erkennen, daß es doch noch Bewohner gab.
Da die Gruppe nicht mit uns in das Dorf gegangen, sondern
schon Richtung Karawanserei unterwegs war, beeilten wir
uns hinunter zu kommen und ihnen zu folgen. Die Karawanserei
lag Dank eines kleinen Flüsschens in einer sehr grünen
Umgebung. Durch den Einsatz von Lastwägen waren die
Karawansereien überflüssig geworden und wurden
nicht mehr gepflegt. So war es auch hier. Wie im Dorf auf
dem Hügel konnte man aber den vergangenem Reichtum
noch erahnen, den es hier einmal gab. Am Flüsschen
entlang, unter schattenspendenden Bäumen schlenderten
wir zurück zum Bus und fuhren weiter.
Pasargad - die erste Reichshauptstadt
Dann erreichten wir Pasargad, beziehungsweise das, was
davon übrig geblieben ist. Pasargade war Hauptstadt
der ersten beiden achämenidischen Herrscher Kyros II.
(550-529 v.Chr) und Kambyses (529-522 v. Chr.). Die Hauptstadt
wurde an der Stelle gegründet, an der Kyros der Große
den Mederkönig Astyages besiegte. Nachdem Dareios die
Hauptstadt nach Persepolis verlegte, verlor der Ort schnell
an Bedeutung und verfiel. Eigentlich war da nichts mehr,
bis auf das Grabmal von Kyros II. dem Großen. Es sieht
aus wie eine Stufenpyramide mit Grabkammer oben drauf, die
ein Satteldach hat. Irgendwie paßt das nicht zusammen,
einerseits die eher ägyptische Pyramide, andererseits
die mehr an ein europäisches Haus erinnernde Grabkammer.
Im inneren gab es nichts zu sehen, da das Grab bereits kurz
vor der Ankunft Alexander des Großen ausgeraubt wurde.
Einen kurzen Fußmarsch entfernt fanden wir die Reste
der Palastanlage von Kyros. Vom Audienzsaal war noch am
meisten übrig. Einige Säulen aus weißem
und schwarzem Marmor und ein paar Fundamente waren zu sehen.
Aber auch aus die Reste sind noch beeindruckend, der Audienzpalast
hatte eine Grundfläche von 32 x 22 m und die Säulen
eine Höhe von 14 m. Das beachtenswerteste Stück
in diesem Ruinenfeld ist ein gute erhaltenes Relief, das
den Herrscher zeigt.
Etwas weiter nördlich ist auf einem Hügel eine
83 m lange Terassenmauer aus mit Blei geklammerten Steinquadern
zu besichtigen. Welchen Zweck dieses Bauwerk hatte, ist
bis heute nicht geklärt. Jedenfalls hat man von dort
aus einen schönen Blick über die Ebene mit den
historischen Städten. Und weiter ging es nach Süden.
Persepolis - was Alexander der große übrig gelassen hatte
Wir kamen an unserem Tagesziel Persepolis an. Der Bus hielt
im Garten des Hotels Tacht-e Djamschied, das nicht mehr
offiziell geöffnet war. Wir konnten aber die sanitären
Anlagen benutzen. Das Hotel wurde lange vor der Revolution
für die Archäologen gebaut, die in Persepolis
die Ausgrabungen durchführten. Da viele europäische
Wissenschaftler an den Arbeiten beteiligt waren, wurde das
Gebäude entsprechend geplant und gebaut. Es war sehr
komfortabel, da es aber seit der Machtergreifung der Mullahs
nicht mehr benutzt wurde, verfällt es zunehmend. Eigentlich
ist die Lage des Hotels optimal, etwa 200 m vor den Toren
der antiken Stadt wäre es bei entsprechender Renoviernug
eine Goldgrube.
Persepolis wurde etwa 50 Jahre vor der Akropolis in Athen
erbaut und war von 521 bis 331 v. Chr. die Hauptstadt des
achämenidischen Reiches. Begonnen wurde der Bau unter
Dareios I. und fortgeführt von Xerxes I., Artaxerxes
I., Xerxes II., Dareios II., Artaxerxes II., Artaxerxes
III. und Dareios III. Obwohl fast zur gleichen Zeit wie
die Akropolis erbaut, gibt es keine Gemeinsamkeiten. Die
Stadt hatte großen Einfluß auf die westliche
Kultur, Tausende von Büchern wurden ins griechische
übersetzt, bevor die Stadt zerstört wurde. Im
Unterschied zur griechischen Kunst gab es keine Plastiken.
Im Jahre 331 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen
zerstört. Bei Ausgrabungen wurde eine sehr dicke Ascheschicht
gefunden, was beweist, daß der Palast vorsätzlich
angezündet wurde. Brennmaterial in riesigen Mengen
mußte verwandt worden sein, um die Gebäude aus
Granit und feuerfesten Ziegeln zu vernichten. Bei Abtransport
der Schätze aus Persepolis durch Alexander sollen 3.000
Kamele und unzählige Maultiere benutzt worden sein.
Von der Stadt selbst, die in der Ebene vor dem Palast war,
ist nichts mehr zu sehen. Von der Palastanlage, die direkt
vor einem steilen Bergmassiv gebaut war, hat man einen schönen
Blick über diese weite und fruchtbare Ebene. Persepolis
war nie eine Hauptstadt im Sinn eines Regierungssitzes,
sondern Zeremonienhauptstadt. Hier entfaltete sich der ganze
Glanz des Achemenidischen Reiches. Persepolis wurde von
bezahlten Handwerkern erbaut, es gab keine Sklavenarbeit.
Die Frösche am Pool
Wir genossen noch den Sonnenuntergang bei den Ruinen der
antiken Stadt Persepolis, die wir am nächsten Tag besichtigen
wollten, schauten ein paar Jugendlichen zu, die auf dem
historischen Vorplatz der Palastanlagen Fußball spielten
und gingen zurück zum Hotel. Vor der Terasse des Hotel,
auf der wir zu Abend gegessen hatten, lag ein recht großer
Swimmingpool. Leider war der nur minimal mit Wasser gefüllt
und so tummelten sich Massen von Fröschen darin. Kaum
war die Sonne ganz untergegangen, fingen die auch schon
an in allen Tonlagen zu quacken. Man konnte kaum noch gehen,
ohne nicht auf einen der Frösche zu steigen. Solche
Mengen hatte ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Die
meisten Mitreisenden gingen recht füh in ihre Kojen,
unser Fahrer und noch ein paar andere blieben auf der Terasse
sitzen. Schlafen konnte sicher keiner, das gequacke war
einfach zu laut. Um cirka 23:00 Uhr, plötzlich, wie
auf Kommando beendeten die Frösche ihr Konzert und
es kehrte Ruhe ein. Es war eine angenehm warme Sommernacht
und gegen Mitternacht gingen wir dann auch in die Kojen.
Der Rest der Nacht verlief ohne störende Geräusche.
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