
7.
Tag: Persepolis und Naqch-e Rustam - Gräber in den Felsen
- Startort: Persepolis
- Route über: ---
- Zielort: Persepolis
- Besichtigungen: Persepolis, Naqch-e Rustam, Naqsh-e Radjab
- Fahrstrecke: 20 km
Der Tag würde ziemlich warm werden, das merkten wir
schon als wir früh morgens aufwachten und uns der warme
Wind um die Nase wehte. Anders als in Isfahán, das
durch den Fluß und die Grünanlagen recht angenehm
war, gab es hier keine solchen Einrichtungen und wer in
den Ruinenfeldern von Persepolis herumspaziert ist der Sonne
schutzlos ausgeliefert. Aber wir wollten ja was erleben.
Endlich in den Ruinen
Nach dem Frühstück stiegen wir die großen
Freitreppen hinauf auf das 450 x 250 m große, künstlich
angelegte Plateau, wo die Palastanlagen stehen. Durch das
17 m hohe Tor des Xerxes ging es dann hinein in die eigentliche
Anlage. Aus meiner Schulzeit konnte ich mich noch gut an
die Bilder von Persepolis in den Lateinbüchern erinnern,
aber was von Persepolis übrig ist, ist wirklich wenig.
Alexander der Große hatte damals ganze Arbeit geleistet,
als er die Palastanlagen als Rache für die Niederlage
der Griechen niederbrennen lies.
Anhand von herumliegenden Bruchstücken und restaurierten
Gebäudeteilen erklärte und Rainer welche Funktion
die einzelnen Teile hatten und wie die frühen Perser
Ihre Paläste gebaut hatten. So lernten wir, daß
die Form der Säulen von den hölzernen Tragestützen
der Hauszelte abgeleitet wurde. Das achämenidische
Säulenkapitell hat sich unabhängig von anderen
Kulturen entwickelt. Es zeigt doppelköpfige Löwen,
Stiere, manchmal Tiermenschen, deren Bedeutung nicht geklärt
ist. Riesige geflügelte Stiere schmücken die Eingänge
einer der Hallen. Alleine die Hundert-Säulen-Halle
ist 75 m lang, 56 m breit und 10 m hoch und diente dem Hofstaat
für Empfänge, als Thronsaal und für Festlichkeiten.
Leider ist von den 100 Säulen nur mehr eine einzige
erhalten. Immerhin kann man sie aber noch zählen, da
die Fundamente sichtbar sind. Der Weg führt weiter
zur Apadana, der Empfangshalle. Diese ist über eine
große Treppenanlage mit unzähligen Reliefs in
den Wänden erreichbar. Dargestellt werden unter anderem
die 10.000 Unsteblichen, die die Leibgarde der Herrscher waren. Großen
Raum nehmen die Bilder der Abgesandten der 28 Völker
ein, die zum persischen Reich gehörten. Jede Volksgruppe
ist mit den jeweils typischen Gesichtszügen, Kleidern
und Waffen dargestellt. Man erkennt Assyrer mit langem Faltengewand,
Syrer, die über dem Leibrock eine Stola gehängt
haben, oder ein paar Inder, mit Überwurfmänteln
aus feinem Stoff. Sogar die Schuhmode der einzelnen Völker
ist unterscheidbar. Jedes Volk bringt dem König Geschenke
die ebenfalls landestypisch sind. Im Bild sieht man die
Abordnung der Lyder. Sie tragen wadenlange, plissierte Untergewänder,
über das ein Schalumhang gelegt ist. Die vorderen ver
tragen einen konisch zulaufenden Hut, unter dem eine Haarlocke
hervorschaut. In den Händen halten Sie Edelmetallkrüge,
Schalen und goldene Armreifen. Die hinteren beiden Lyder
ohne Hut führen einen Wagen mit zwei Pferden. Wie alle
Abordnungen der Völker werden auch die Lyder von einem
persischen Würdenträger begleitet, der den jeweiligen
Anführer an der Hand zum König geleitet. In einer
Ecke des Treppenaufgang findet sich die Inschrift:
Darius - und was er von sich behauptete
"Ich bin Darius, der Groß-König, der König
der Könige, der König der Länder, der Sohn
des Vischtaspa, ein Achämenide. Es spricht König
Darius: Dies ist das Königreich, das ich besitze. Es
reicht von den Saken, die jenseits von Sogd wohnen, bis
nach Äthiopien, von Indien bis nach Sardes, welches
Ahura Masda, der der Größte unter den Göttern
ist, mir verliehen hat. Möge Ahura Masda mich beschützen
und mein königliches Haus."
Über die Apadana gelangt man zu einem weiteren Plateau,
auf dem der Privatpalast des Dareios, der sogenannte Spiegelsaal
steht. Dies ist eines der am besten erhaltenen Gebäude
in Persepolis. Hier kann man sich noch am besten vorstellen
welche Pracht die Paläste entfalteten. Das Mauerwerk
war ursprünglich poliert und bestand aus weißen
und schwarzen Steinquadern. Man geht davon aus, daß
die Reliefs mit Gold und Edelsteinen besetzt waren, da man
Spuren davon fand. Leider kann man das nur noch erahnen,
da durch die Jahrhunderte das Gestein verwitterte und jetzt
fast nur noch einheitlich grau aussieht. Es besteht weiterhin
die Gefahr, daß die Reliefs durch Steinfraß
zerstört werden, wenn nicht schon bald die Erhaltungsmaßnahmen
in vollem Umfang aufgenommen werden können. Mangels
finanzieller Mittel und der politischen Situation werden
derzeit nur die nötigsten Arbeiten durchgeführt.
Ausländische Hilfe gibt es nur in geringem Umfang.
Da die persische Kultur aber eine Keimzelle aller Kulturen
ist und von hier aus die europäische und auch die pakistanische
und indische Kultur maßgeblich beeinflußt wurde,
wäre es ein riesiger Verlust, wenn die historischen
Stätten verfallen würden. Daß Persepolis
im übrigen sehr modern geplant war, beweisen Reste
einer Kanalisation, die das gesamte Gelände durchziehen.
Grabkammern im Steilhang
In den steilen Hängen hinter den Palstanlagen gelangt
man nach reichlich schweißtreibendem Aufstieg zu den
Grabkammern von Artaxerxes II. und Artaxerxes III. Die aus
dem Felsen gehauenen Grabkammern bergen keine Überraschung,
im Inneren sind weder Reliefs noch Bemalung zu erkennen.
Die Außenseite dagegen ist wiederum mit den Abbildungen
der Leibgarden, den 10.000 Unsterblichen versehen. Nachdem
wir unseren Rundgang in der Gruppe beendet hatten, sind
wir nochmal zu zweit zu den Gräbern hinaufgestiegen.
Zu Anfang waren wir völlig alleine und wir genossen
den Blick auf die Ebene. Zwischen Bäumen kann man noch
immer die Zeltstadt sehen, die der letzte Shah errichten
lies. Hier wurde mit unermesslichem Prunk die 2.500 Jahrfeier
des Iran abgehalten. Die Zelte kann man derzeit aber nicht
besichtigen. Wir wollten schon wieder hinunter, als eine
Gruppe junger Leute den Berg heraufkam. Eigentlich war es
nicht anders zu erwarten, sofort kamen sie zu uns und wollten
alles mögliche wissen. Die Jugendlichen konnten gut
Englisch und so wurde es ein interessantes Gespräch.
Es stellte sich heraus, daß es Studenten aus Shiraz
waren, die hier die Geschichte ihrer Vorfahren studierten.
Unter den Studenten waren auch einige junge Frauen, die
aber getrennt von den Männern die Gräber studierten.
Wir unterhielten uns noch einige Zeit, mußten aber
dann gehen, da wir uns den Rest von Persepolis anschauen
wollten. Wir hatten gerade den ersten Teil der Stufen hinter
uns, als die Studenten plötzlich zu klatschen begannen.
Wir drehten uns um und da standen sie am Rand der Terasse
vor dem Grab und winkten und klatschten uns zu. Einige Zeit
später trafen wir nochmal einen der Jugendlichen und
wir fragten wieso sie gekltscht hätten. Er sagte, sie
hätten sich einfach gefreut, daß sie uns getroffen
hätten und daß sich Deutsche für ihre Kultur
interessieren. Wieder eine Überraschung, sowas hatten
wir noch nie erlebt.
Naqch-e Rostam - die Felsengräber
Etwa vier Kilometer nördlich von Persepolis in Mitten
von zerklüfteten Bergen liegt eine Grabstätte
der besonderen Art. Keine riesigen Pyramiden wie in Ägypten,
sondern in senkrechte Felswände des Hossein Kuh Gebirges
gehauene Höhlen. Nicht nur, daß die Gräber
aus dem Fels gehauen sind, sie sind auch noch in einer Höhe,
die man auf normalem Wege nicht erreichen kann. Dazu benötigt
man schon alpine Ausrüstung. In die Felswand wurden
vier Gräber geschlagen, von Dareios I. (522-485 v.Chr.),
von Xerxes I. (485-465 v.Chr.), von Artaxerxes I. (464-425
v.Chr.) und von Dareios II. (425-405 v.Chr.). Des weiteren
können Felsreliefs der Sassaniden aus dem 3. und 4.
Jahrhundert nach Christus besichtigt werden. Auch elamische
Reliefs, die aus der Zeit um ca. 1.500 v. Chr. stammen sind
zu finden. Die Felsgräber sind alle in Form eines Kreuzes
in die Wand geschlagen. In dem Teil oberhalb des Eingang
ist der König dargestellt, wie er von seinem Volk symbolisch
getragen wird. Eine Feuerschale ist erkennbar und der oberste
Gott Ahura Masda mit dem Ring des Lebens.
Interessant sind die Felsreliefs der Sassaniden. Eines
stellt die Krönung von Ardeschir I. (224 - 241 n. Chr.)
dar (Foto). Auf einem Pferd sitzend empfängt er von
Ahura Masda den Rind des Lebens, das Zeichen der Königswürde.
Auf einem anderen Felsbild ist Shapur I. (241 - 272 n. Chr)
zu sehen, vor dem der römische Kaiser Valerian kniet,
den er gefangen genommen hatte. Es war die erste Gefangennahme
eines römischen Kaisers in der Geschichte. Gegenüber
der Felswand steht ein achämenidischer Quaderbau, die
Kaaba-e Zardoscht. Lange Zeit war nicht klar, welchem Zweck
der Bau diente, man nimmt aber an, daß es sich um
einen Feuertempel der Göttin Anahita handelt.
Im Steinbruch
Auf dem Rückweg machten wir an den Steinbrüchen
halt, aus denen das Baumaterial für Persepolis gewonnen
wurde. Deutlich sind noch heute die Bearbeitungsspuren und
die Technik erkennbar, mit der die Quader hergestellt wurden.
Nur 3 km nordöstlich von Persepolis besuchten eine
weitere archäologische Fundstätte, Napsh-e Radjab,
mit einigen Felsreliefs. Interessant war hier eine Darstellung,
bei der ein Mann, möglicherweise ein Priester mit der
Hand ein Zeichen darstellt, das bei uns als sogenannter
'Drudenfuß' bekannt ist. Dabei wird aus der Faust
der kleine und der Zeigefinger nach vorn gestreckt. Das
bei uns der Teufelsabwehr dienende Zeichen könnte durchaus
aus Persien stammen, wie auch andere Dinge. Sogar in der
deutschen Sprache finden sich einige Worte aus dem Persischen,
z.B. der Salat, der im Persischen Salad heißt, oder
Tochter, das von persischen Doxtar, das Mädchen abstammt.
Es gibt viele weitere Beispiele, wie die persische Kultur
das Abendland beeinflußt hat. Jetzt wollte auch unser
Busfahrer und vielleicht auch der Bus einmal etwas sehen
und wie er das gemacht hat, sieht man deutlich auf dem Foto.
Die Hochzeit
Zu zweit machten wir uns noch auf den Weg, die Gegend rund
um das Hotel zu erkunden. Ein kurzes Stück entfernt
war ein kleines Wäldchen, das von einer Quelle mit
Wasser versorgt wurde. Wir gingen darauf zu, als uns eine
Kolonne von Autos entgegen kam. Sie hielten bei dem Wäldchen
und als die Leute aus den Autos ausstiegen, sahen wir, daß
es eine Hochzeitsgesellschaft war. Das Brautpaar verschwand
mit einem Fotographen und einem mit Videokamera Bewaffneten
im Wald. Wir gingen hinterher. An der Stelle, wo die Quelle
an die Oberfläche kommt, war ein kleiner See, an dem
sich das Brautpaar für die Fotos aufbaute. Der Bräutigam
trug einen schwartzen Anzug, die Braut ein weißes
Kleid mit langer Schleppe. Wir durften nicht fotographieren,
aber keiner hatte etwas dagegen, daß wir zusahen.
Nachdem wir genug gesehen hatten und wieder auf die Straße
zurückkamen, war die ganze Hochzeitsgesellschaft schon
versammelt. Sofort wurden wir umringt und mit Fragen bombardiert.
Leider konnte keiner Englisch und so beschränkte sich
die Unterhaltung auf wildes Gestikulieren. Zumindest konnten
wir herausfinden, daß die Gesellschaft zu einer Gruppe
Nomaden gehörten, daher trugen die Frauen zum Teil
auch keine Kopftücher. Und wieder erlebten wir die
schon bekannte Reaktion, als die Leute erfuhren, daß
wir aus Deutschland kommen. Kaum hatte sich das herumgesprochen,
als ein älterer, stattlicher Mann an uns herantrat
und uns zu verstehen gab, daß wir zur anschließenden
Hochzeitsfeier eingeladen seien. Ich war echt von den Socken
über die ungeheure Freundlichkeit und Offenheit der
Leute. Leider mußten wir ablehnen, weil der Rest der
Gruppe nicht wußte wo wir waren und wir auch nicht
herausfinden konnten, wo die Feier stattfinden sollte. Auf
jeden Fall wollten alle noch von uns Fotographiert werden,
natürlich mit den Autos, die sehr schön geschmückt
waren.
Den Rest des Abends verbrachten wir auf der Hotelterrasse.
Die Frösche im Garten des Hotel gaben ihr Konzert,
das wieder pünktlich um 23:00 zu Ende war und wir freuten
und auf den nächsten Tag.
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