
8.
Tag: Shiraz - Stadt der Rosen und Dichter
- Startort: Persepolis
- Route über: Shîrâs
- Zielort: Firuzabad
- Besichtigungen: Grabmal von Saadi und Hafez, Imamzadeh Shah
Tscheragh, Bagh-e Eram Garten
- Fahrstrecke: 189 km
Der Tag ging ja gut an, statt bequem abzufahren, mußten
wir erst einmal unseren Schafwagen aus dem Hotelgarten bugsieren.
Die Kurve in Auffahrt zum Hotel war so eng, daß nicht
einmal die Spezialkupplung des Rotelbusses ausreichte. Aber
es waren ja leuter starke Männen dabei, so daß
dies ein leichte Übung war. Es zeigt aber, daß
man auf Rotel-Reisen auf alles gefaßt sein muß.
Nach einem letzten Blick auf die Ruinen von Persepolis fuhren
wir in südlicher Richtung davon, immer tiefer hinein
in das Zagros-Gebirge. Auf der gut ausgebauten Straße
kamen wir schnell voran und so erreichten wir nach kurzer
Zeit die Stadt Shiraz. "Der Besucher vergißt
seine Heimat, wenn er Shiraz im Mai sieht" soll der
Dichter Saadi im 13. Jahrhundert gesagt haben. Es war Mai
und wir waren gespannt ob er recht hatte.
Durch das Koran-Tor nach Shiraz
Die Straße führt durch einen Einschnitt in den
Bergen hinunter in die Ebene mit der Stadt. Das erste was
man erblickt, ist das Allah-Akbar-Tor, oder Korantor, weil
im Fundament ein Koran eingemauert sein soll. Leider ist
das Orginaltor aus dem 9. Jahrhundert 1935 abgerissen worden,
wurde aber 1960 wieder orginalgetreu aufgebaut.
Shiraz liegt in einer Oase ca. 1.600 m über dem Meer.
Die Hauptstadt der Provinz Fars hat inzwischen fast 1 Mio.
Einwohner und ist eine der ältesten Universitätsstädte
der Welt. Der Qualität des Weines, der seit 1979 nicht
mehr hergestellt werden darf, war über Jahrhunderte
ein Markenzeichen der Stadt. Erst Mitte des 7. Jahrhundert
begann der Aufstieg der Stadt, nachdem das muslimische Heer
sich hier auf die Eroberung der damaligen Hauptstadt Istakhr
vorbereitete. Unter den Saffariden, die die die Stadt im
9. Jahrhundert zu ihrer Hauptstadt erkoren hatten wurde
die Freitagsmoschee gebaut, die noch heute erhalten ist.
Saadi - der Volksdichter
Im 13. und 14. Jahrhundert wurde Shiraz zur Dichterstadt.
Saadi wurde hier im Jahre 1184 geboren und starb im Alter
von 108 Jahren. Er gilt als der volkstümlichste Dichter
des islamischen Orients. In seinen Gedichten, die häufig
die Liebe zum Thema haben, geht es aber auch um opulente
Weingelage, was so überhaupt nicht zu den heutigen
isalamischen Verständnis passen. Sein Grabmal wurde
erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut.
Neben dem Sarkopharg gibt es auch eine Bibliothek und eine
unterirdische Quelle, die gefaßt wurde und in der
sich viele Fische tummeln. Ein weiterer berühmter Dichter
ist Hafez, der bis zu seinem Tod im Jahr 1390 in der Stadt
lebte. Das Mausoleum des Dichters liegt in einem wunderbaren
Rosengarten, der zum Verweilen einläd. Unter Maulbeerbäumen
und den Säulenarkaden, die Schatten spenden, halten
sich viele Menschen auf, wie die junge Mutter mit ihrem
Kind auf dem Foto.
Shah-Tschergah Mausoleum
Von den Grabstätten der Dichter führte unser
Weg vorbei am Vakil-Basar, der über eine 800 m lange
gedeckte Einkaufsstraße verfügt. Unser Ziel war
das Shah-Tschergah Mausoleum, die wichtigste Moschee der
Stadt. Shah Tscheragh war ein Bruder des berühmten
Imams Reza, der in Mashad begraben liegt. Shah Tscheragh
heißt übersetzt 'König des Lichts' und starb
835 n. Chr. den Märtyrer-Tod. Nach einem Erdbeben wurde
der Gebäudekomplex im Jahre 1834 vollständig neu
errichtet. Typisch ist, die zwiebelförmige Kuppel,
die noch aus dem 14. Jahrhundert stammt. Für die damalige
Zeit war der Bau einer solchen Kuppel eine ungeheuere architektonische
Leistung, da es sehr schwierig war, den bei dieser Kuppel
enormen Überhang herzustellen. Solche Bauformen gibt
es außerdem nur in Buchara und Samarkand. Die Außenseite
der Kuppel ist mit bunten Fayencen geschmückt, die
über die Jahrhunderte ihre Leuchtkraft nicht verloren
haben. Das Portal und die Innenräume sind über
und über mit Spiegelstalaktiten und Mosaiken geschmückt,
die die Bedeutung des Namens 'König des Lichts' unterstreichen.
Wer zur damaligen Zeit aus der Wüste nach langer Reise
in die Oase kam und diese Moschee erblickte, muß noch
viel mehr beeindruckt gewesen sein als wir. Auf jeden Fall
hatte hier nicht nur ich das sogenannte 'Aaaha'-Erlebnis.
Für die Besichtigung der Moschee, was nur außerhalb
der Gebetszeiten möglich ist, müssen die Damen
zusätzlich zu den Kopftücher Tschadors tragen,
die am Eingang zu bekommen sind. Man sollte sich auch bewußt
sein, daß es keine normale Moschee ist, sondern ein
Heiligtum der Gläubigen und sich entsprechend unauffällig
verhalten.
Zu Beginn der Gebetszeit verliesen wir die Moschee. Wir
spazierten zur alten Freitagsmoschee, die Masdsched-i Djame
Atiq. Von den 875 n. Chr. erbauten Gebäuden ist nur
wenig erhalten. Das meiste was heute zu sehen ist, stammt
aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt
auch das Gebäude in der Mitten des Hofes, das Khoda
Khaneh (Haus Gottes), das der Kaaba in Mekka nachempfunden
wurde, aber auch einem zazathustrischen Feuertempel gleicht.
Früher wurde in ihm der Koran aufbewahrt und somit
war es das Allerheiligste. Auch diese Moschee ist mit parchtvollem
Kachelschmuck verziert, der aus dem 14. Jahrhundert stammt.
Zittadelle und kleine Gassen
Der Weg führte uns weiter zu einer Zittadelle im Zentrum
der Stadt. Eigentlich sieht der riesige Gebäudekomplex
aus wie eine Festung, so wuchtig ist es. Sie stammt aus
dem 18. Jahrhundert und wurde von Karim Khan Zand erbaut,
der Shiraz wieder zum Aufblühen brachte. Leider konnten
wir die Zittadelle nicht von innen besichtigen und so hatten
wir etwas Zeit, die jeder für sich nutzen konnte. Uns
zog es in die kleinen Seitengassen, wir wollten sehen, wie
abseits der Hauptstraßen aussieht. Durch ein Gewirr
von Gassen kamen wir schließlich an einem kleinen
Basar heraus. Die Leute waren scheinbar erstaunt, gerade
hier Ausländer zu sehen. Aber wie schon so oft war
der Kontakt schnell hergestellt und wir mußten die
unterschiedlichsten Lebensmittel testen. Von ein paar der
sehr gut schmeckenden Früchte weiß ich bis heute
nicht wie sie heißen. Leider mußten wir zurück
zum Treffpunkt und da wir nicht wußten, wie weit der
entfernt war, wollten wir uns beeilen. Da kam ein junger
Perser mit seinem großen Chrysler Jeep und nahm uns
mit. Es dauerte zwar bis wir ihm unser Ziel vermitteln konnten,
er sprach keinen Ton Englisch, aber wir kamen rechtzeitig
an. Der Jeep war eine echte Seltenheit und sicher enorm
teuer, auf der ganzen Reise haben wir kein weiteres Auto
dieses Typs gesehen. Er fuhr dann noch die Straße
ein paar mal auf und ab und winkte und hupte uns zu. Ein
nettes Erlebnis.
Bagh-e Nazar Garten
Ein Stück von der Zitadelle entfernt besichtigten
wir das Pars-Museum im Bagh-e Nazar Garten. Das Gebäude
ist der frühere Gartenpavillion von Karim Khan Zand.
Das an der Außenfasade mit Fliesen verzierte Haus
ist achteckig und man gelangt über ein schmales Portal
ins Innere. Der Innenraum ist mit sehr schönen Deckendekorationen
ausgestattet und man kann Ausgrabungen aus dem 2. Jahrtausend
v. Chr., wertvolle Korane, Handschriften, Keramiken und
Mosaike bewundern. Da das Museeum nicht sehr groß
ist, hatten wir genug Zeit uns den Garten anzuschauen. In
der Hitze des Tages war es hier angenehm kühl und eigentlich
hätten wir es den Rest des Tages ohne Probleme in diesem
wunderschön angelegten Garten aushalten können.
Bagh-e Eram - der Botanische Garten
Aber wir marschierten zurück zum Bus, mit dem wir
zu unserer letzten Station in Shiraz fuhren. Wir erreichten
den Bagh-e Eram Garten, der heute ein botanischer Garten
ist. Auf dem Gelände befindet sich ein alter Palast
aus der Kadscharenzeit, der heute die juristische Fakultät
beherbergt. Es ist erstaunlich, mit welcher Blumenpracht
die Oasenstädte in der persischen Wüste aufwarten.
Ein wahrer Genuß nach den eher eintönigen langen
Fahrstrecken durch die Wüste. Man kann sich richtig
vorstellen, wie sich die Reisenden der Karawanen gefreut
haben müssen, wenn sie nach tagelangen Märschen
in eine solche Stadt kamen. Wir nutzten die Gelegenheit
und erkundeten noch die umliegenden modernen Wohngebiete
entlang der Bol. Bagh-e Eram Straße. Weil auch hier
der Wohnraum knapp ist, noch dazu weil hinter der Stadtgrenze
schon wieder die Wüste beginnt, baut man mehrstöckige
Wohnhäuser. Es war also kein besonderes Erlebnis hier
herumzulaufen und wir kehrten in den Garten zurück.
Kurze Zeit später ging es weiter.
Auf nach Firuzabad
Das letzte Stück der heutigen Strecke führte
uns nach Süden hinein in das Zargos-Gebirge. Am späten
Nachmittag erreichten wir Firuzabad, das in einer fruchtbaren
Hochebene liegt. Nachdem wir den Schlafwagen für die
Nacht aufgebaut hatten, machten wir uns zu zweit noch auf
den Weg, die Stadt zu erkunden. Wir sahen einen Hügel
und stiegen hinauf, um von dort die Stadt zu überblicken.
Den FC Bayern kennt doch jeder
Zu unserer Überraschung fanden wir oben einen kleinen
Platz mit einem Fußballtor. Bevor wir noch das erste
Foto der Stadt machen konnten, waren die Kinder auch schon
um uns und bombardierten uns mit Fragen. Die älteren
konnten Englisch, das sie in der Schule lernten und wir
gaben bereitwillig Auskunft. Wir erzählten, wie unsere
Reiseroute durch den Iran aussah und woher wir kommen. Das
wollten sie genau wissen und auf unsere Antwort, daß
wir aus München kommen, ging es erst richtig los. Ob
wir den FC Bayern kennen und den Franz Beckenbauer, den
Mathäus oder den Klinsmann schon einmal gesehen hätten
wollten Sie wissen. Wir waren völlig überrascht,
aber die Jungs kannten fast die ganze Mannschaft mit Namen
und alle behaupteten die größten Fans des FCB
zu sein. Wir schafften es dann doch noch ein paar Fotos
von der Stadt zu machen und natürlich wollten die Kinder
auch auf den Bildern sein. Wir kehrten zum Bus zurück,
das Abendessen war schon fertig und stärkten uns und
gingen spät Abends schlafen.
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