
10.
Tag: Zagros-Gebirge - Salzseen und Feigenplantagen
- Startort: Firuzabad
- Route über:
- Zielort: Kerman
- Besichtigungen: Daryace-ye Maharlu, Sarvestan, Feigenplantagen,
Kuh-e Qum Gebirge
- Fahrstrecke: 642 km
Heute hatten wir das längste Teilstück der ganzen
Reise zu fahren. Nachdem wir unseren Bus fahrfertig gemacht
hatten ging es in aller Frühe los. Obwohl es noch recht
früh war, war es schon ziemlich warm und es war klar,
daß im Lauf des Tages ordentlich heiß werden
würde. Zunächst ging es zurück Richtung Shiraz,
kurz vor der Stadt zweigten wir ab nach Osten. In der Nähe
von Neiriz machten wir am Daryace-e Maharlu See eine kurze
Pause. War in der Landkarte als großer See eingezeichnet
ist, enthielt nicht erfrischendes Wasser, sondern war sehr
salzig. Schon von weitem waren die Berge von Salz zu sehen,
das aus dem See gewonnen wird.
Weiter ging es nach Sarvestan. Auf dem Weg dahin begegneten
wir mehreren Nomadengruppen von Stamm der Gaschghai. Da
die Männer mit den Viehherden unterwegs sind, bestanden
die Gruppen hauptsächlich aus Frauen und Kindern. Die
Angehörigen der Nomadenstämme haben sich das Recht
bewahrt, ihre traditionellen Trachten zu tragen. Die bunten
Kleider der Frauen sind im Gegensatz zu den eintönig
schwarzen, grauen, dunkelblauen oder braunen Tschadors und
Mänteln der iranischen Frauen ein schöner Kontrast.
Dies gilt in noch größerem Maße in der
meist eintönigen Wüstenlandschaft.
Sarvestan
In Sarvestan kamen wir am Grabmausoleum von Shaik Yussuf
Sarvestanis vorbei, das im 13. Jahrhundert erbaut wurde.
Sarvestan ist unter anderem auch der Geburtsort des Begründers
der Bahai-Sekte. Etwas außerhalb des Ortes gibt es
ein sassanidisches Ruinengelände zu besichtigen, das
aus den 5 Jh. n. Chr. stammt.
Eine Beinahepanne
Kurz vor Sirgan legten wir eine weitere Pinkelpause am
Rande der Straße ein. Wir fuhren gerade wieder an,
als der Bus wieder abbremste. Der Bus gab seltsame Geräusche
von sich. Im hinteren Zwillingsreifen des Anhängers
hatte sich ein größerer Stein eingeklemmt. Er
war so fest zwischen die Reifen gedrückt, daß
wir ihn nur mit Hilfe von Brechstangen zu dritt herausbekamen.
Gerhard, unser Fahrer, und ich hebelten den Stein heraus.
Um nicht mit voller Wucht umzufallen, wenn das Brecheisen
herausrutschte, stütze uns ein weiterer Fahrgast. Es
dauerte eine Zeit, bis wir den Stein heraus hatten. Wäre
das nicht geglückt, hätten wir den Reifen abmontieren
müssen und das hätte noch viel länger gedauert.
Mittagessen auf dem Land
In Neyriz hielten wir bei einem Lokal, in dem wir zu Mittag
aßen. Wie in vielen kleinen Städten im Iran führt
auch hier eine breite, vierspurige Straße mit Grünstreifen
durch den Ort. Der einzige nennenswerte Verkehr sind die
Lastwagen, die zum Teil durch die Dörfer rauschen,
als wären sie auf freier Strecke. Zu Essen gab es die
übliche Auswahl, die wir schon gewohnt waren: Lamm-
oder Hühnerspieß mit Reis und Grilltomate, dazu
Coka-Cola und Joghurt mit reichlich Zwiebeln. Es schmeckte
gut, obwohl sich manche Mitreisenden mehr Abwechslung wünschten,
aber die gab es nicht. Während die anderen darauf warteten,
daß es weiterging, erkundeten wir noch die nähere
Umgebung des Lokals. Es gab nichts besonderes zu sehen,
aber man konnte ja nie wissen. Mittlerweile wurde es sehr
heiß, was aber kein größeres Problem war.
Der Bus hat zwar keine Klimaanlage, aber die Fenster können
weit geöffnet werden. Klimaanlagen sind bei dieser
Hitze eher schädlich, ein sicherer Weg um eine Erkältung
zu bekommen.
Die Straße zerfließt
Auf einmal änderte sich das monotone Fahrgeräusch
unseres Busses. Das Motorengeräusch wurde leiser, dafür
war ein neues unbekanntes Geräusch hörbar. Langsam
wachten alle aus ihren Mittagsschläfchen auf und beim
hinausschauen aus den Fenstern merkte man, daß der
Bus erheblich langsamer fuhr. Was war da los? Stau gab es
keinen, dazu waren viel zu wenig Autos unterwegs. Ich stand
auf und ging nach vor. Beim Blick aus der Frontscheibe traute
ich meinen Augen nicht. Wir fuhren neben der Straße
und sofort erkannte ich den Grund. Von der Mittagshitz war
der Teer auf der Straße nicht nur weich geworden,
sondern beinahe flüssig. Und das neue Geräusch
war der Kies, der von den teerverklebten Reifen wegflog
und an das Fahrgestell spritzte. Unter diesen Bedingungen
kamen wir nicht mehr besonders schnell voran. An der Situation
änderte sich die nächste Stunde kaum etwas. Da
die Straße aber ins Gebirge führte und wir ständig
höher kamen, wurde es mit der Zeit besser. Wir glaubten
schon beinahe nicht mehr daran bis zum Abend die Strecke
nach Kerman zu schaffen, aber dann konnten wir doch wieder
normal fahren.
Wüstenblumen
Bei unseren Pausen konnten wir in der steinigen Wüste
immer wieder wunderschöne Pflanzen finden. Bei unsere
Ausflüge abseits der Hauptstraße waren nicht
Bedingungen nicht immer besonders gut, obwohl die Straßen
im Iran in der Regel in sehr gutem Zustand sind. Aber unser
Bus war mit Allradantrieb ausgestattet und so waren auch
Hindernisse wie das im Bild kein größeres Problem.
Solche Situationen brachten Abwechslung in die teilweise
monotone Fahrt durch die Wüsten. Auch unser Fahrer
hatte Spaß bei solchen erschwerten Verhältnissen,
konnte er da doch zeigen, daß er seion Fahrzeug beherrschte.
Es war sowieso ein Wunder, mit welcher Ruhe er durch die
Städte fuhr, obwohl er die Strecke genauso wenig kannte
wie wir. Nur gut, daß die meisten Straßenschilder
nicht nur in Farsi, der iranischen Schrift, sndern auch
in lateinischen Buchstaben geschrieben sind. In der Gegend,
die wir durchquerten gibt es viele Feigenbäume. Man
kann nicht unbedingt von Plantagen sprechen, da die trockene
Landschaft intensiven Anbau wie bei uns nicht erlaubt, aber
selbst diesem Boden werden Erträge abgerungen. Da die
Feigen nach wie vor mit der Hand geerntet werden, sind die
Pflücker sehr lange unterwegs. Zwischen den Bäumen
verstreut sind daher einfache Hütten zu sehen, die
zum Übernachten und als Schutz vor der Mittagssonne
dienen. Die Hütten sehen aus wir Zelte. Als Basis dient
ein Ring aus Stein, über dem mit Balken eine Kuppel
geformt wird. Das Ganze wird mit einem schwarzen Material
gedeckt, von dem ich nicht herausfinden konnte, woraus es
bestand. Entlang der Straße finden sich häufig
einfache Hütten, in denen die frischen Feigen verkauft
werden. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, einmal
Feigen direkt vom Baum zu kaufen und ich mußte feststellen,
daß die wesentlich besser schmecken, als die Feigen,
die es bei uns hauptsächlich Weihnachten gibt. Außer
den Feigen werden an den Verkaufsständen auch Pistazien
und andere leckere Dinge angeboten.
Endlich Kerman
Je näher wir nach Kerman kamen, desto mehr veränderte
sich die Landschaft. An Stelle der dünn bewachsenen
Berge und noch dünner bewachsenen Ebenen traten jetzt
riesige Felder. Auf den Felder wuchs aber kein Getreide,
sondern es waren Büsche. Erst wußten wir nicht
was hier angebaut wird, bei einem Halt konnten wir dann
genau nachschauen. Es waren Pistazienbüsche in ungeheueren
Mengen. Am frühen Abend erreichten wir dann doch noch
unser Ziel. Wir waren in Kerman. Der Bus hielt im Garten
des Akahvan Hotels, an dem wir die nächsten zwei Nächste
bleiben würden. Zwei Nächte am selben Ort und
auch noch vor einem recht guten Hotel. Die Gelegenheit nutzen
wir. Ernst und ich mieteten uns ein Zimmer mit Dusche und
richtigem Bett. Ich schlief zwar in meiner Koje im Bus ganz
ausgezeichnet, aber ein Bett war doch willkommen. Ich nutzte
die Gelegenheit ein paar meiner Kleidungsstücke zu
waschen. Ich hatte zwar genug zu anziehen dabei, aber in
der Witterung zeigte sich, daß bestimmte Kleidung einfach besser geeignet
war als andere. Nach dem Abendessen machten wir einen
Spaziergang rund um das Hotel. Eigentlich wollten wir in
die Stadtmitte, aber da wir recht spät angekommen waren
und wir ziemlich müde waren wurde daraus nichts
mehr.
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