
13.
Tag: Dasht-e Lut - Hagel und Regen in der Wüste
- Startort: Ferdous
- Route über: Borun, Gonabad, Mahne, Sadmehr
- Zielort: Torbat-e Heidariye
- Besichtigungen: Imamzadeh Sultan Ebrahim, Thermalbad Borun
- Fahrstrecke: 250 km
Diesmal konnten wir etwas länger schlafen, Abfahrt
war erst um 8:30 Uhr. Nach ausgibigem Duschen in der Sporthalle
mußten wir erst einmal die Tische und Banke vom Sand
befreien. Zum Frühstück gab es Fladenbrot und
einheimische Marmelade aus Karotten, aber ohne Sand zwischen
den Zähnen. Dazu wie immer Kaffee und Tee, die in großen
Topfen mit Wasserhahn gemacht wurden. Beim Tee reichten
natürlich die normalen kleinen Filterbeutel nicht aus,
also was tun? Ganz einfach, man nehme eine Herrensocke,
selbstverständlich ohne Käse, fülle diese
mit Tee und werfe sie dann in den großen Topf. Schmeckt
ganz normal. Die Menge Tee war so groß, daß
sich jeder seine Feld-, Thermos- oder andere Flasche als
Tagesvorrat füllen konnte. Bei der Hitze ist das der
beste Durstlöscher, aber nur ungezuckert.
Die Volksheiligen von Ferdous
Nachdem alle gefrühstückt hatten, wurde der Schlafwagen
abgebaut und die Sachen wieder verstaut. Und schon war auch
wieder der Polizeiwagen da, der uns durch die Stadt begleitete.
Zunächst ging es durch die Altstadt von Ferdouz, die
bei einem Erdbeben im Jahr 1969 fast vollständig zerstört
wurde. Unser erstes Ziel war die Imamzadeh von Sultan Ebrahim
und Mohammed. Sultan Ebrahim war in der Gegend um Ferdouz
ein beliebter und geachteter Mann, der viel für die
Menschen getan hat. Als Dank bauten ihm die Burger hier
ein Mausoleum. So konnten wir auch einmal eine Ruhestätte
eines Volksheiligen besuchen. Prinzipiell war die Mosche
genauso aufgebaut, wie die großen Walfahrtsorte, nicht
so prunkvoll, aber mit viel Liebe und echter Volkskunst.
Natürlich hat es sich herumgesprochen, daß Fremde
in der Stadt sind und man wollte uns sehen. Es dauerte auch
nicht lange, und die wichtigsten Männer der Stadt kamen
vorbei. Sie freuten sich, daß in ihre eher einsame
Gegend auch einmal Touristen kamen. Wie üblich mußten
wir Auskunft darüber geben, wo wir her waren, was wir
schon alles gesehen hatten und wo wir noch hin wollten.
Und wie überall waren die Leute ausgesprochen freundlich,
besonders als sie erfuhren, daß wir aus Deutschland
kommen. Auch hier haben die Deutschen einen guten Ruf, waren
doch viele der Spenden für die Erdbebenopfer aus Deutschland.
Auch die Leherer des Ortes waren unter den Männern.
Einer wollte sich mit mir unterhalten, leider konnte er
aber sehr schlecht Englisch und trotz einiger Lernversuche
konnte ich nach wie vor kein Farsi. Aber wozu hat man Hände,
Füße und Gesten. Zumindest fand ich heraus, daß
er an der örtlichen Schule Mathematik unterrichtete.
Da röchelt die Yamaha
Nach einigem Palawer gingen wir zu der nicht weit entfernten
Freitagsmoschee. Nur ich konnte nicht gehen, ich mußte
fahren. Der Mathelehrer wollte unbedingt, daß ich
mit ihm auf seinem Motorrad zur Freitagsmoschee fahren sollte.
Also gut dachte ich, ist ja nicht so weit, wird schon gehen.
Ernst nahm meine Fototasche, ich setzte mich hinten drauf
und los ging es. Na ja, so spritzig war die alte Yamaha
100ccm nicht mehr. Er mußte die Kupplung schon ordentlich
schleifen lassen und mit den Füßen mit anschieben,
daß wir von der Stelle kamen. Immerhin wogen wir zusammen bestimmt um die 160 kg. Allzu schnell fuhr er
auch nicht und drum war es eine reichlich wackelige Angelegenheit.
Aber lustig wars schon. Natürlich lobte ich die Maschine
und sagte ihm, daß Yamaha gut Motorräder baut
und ich selbst eine hätte (wenn auch ein wenig größer
und fahrtüchtiger).
Nach der Besichtigung der Freitagsmoschee,
die bei dem Erdbeben auch in Mitleidenschaft gezogen wurde,
schlenderten wir zurück zum Bus. Auf dem Weg entdeckten
wir eine nette Hinweistafel auf ein Zahnarztpraxis. Das
Schild muß einfach für jeden verständlich
sein, denn hier auf dem Land gibt es noch einige, gerade
unter der älteren Bevölkerung, die des Lesens
und Schreibens nicht mächtig sind.
Thermalbad in der Wüste
Hinter der Stadtgrenze, nachdem wir wieder einen Militärposten
passiert hatten, fuhren wir durch ein breites Tal, das vollständig
flach war. Links und rechts neben der Starße gab es
nur Sand und weiße Salzflächen, die bis an den
Rand des Gebirges reichten. Nach ungefär 20 km kamen
wir schon in Borun an. Borun ist im Iran bekannt für
seine Thermalquellen. Wer nun aber ein Kurbad erwartet,
das aussieht wie bei uns, der hat sich getäuscht. Die
Gebäude sind einfach und die Wannen zum Teil aus dem
massiven Fels geschlagen. Ein paar von uns konnten es nicht
lassen und najmen das Angebot war. Scheinbar hat es ihnen
gut getan, denn sie waren alle ganz begeistert von der entspannenden
Wirkung des Wassers, obwohl es nicht besonders gut roch.
Der Weltuntergang
Kurz nachdem wir weitergefahren sind, verdunkelte sich
der Himmel. Erst dachten wir, es käme wieder ein Sandstrum,
wie am Abend zuvor. Aber was sich da zusammenbraute war
beinahe noch schlimmer. Es waren keine Sandwolken, die da
auf uns zukamen, sondern ausgewachsene Gewitterwolken, aus
denen es heftig blitzte und donnerte. Das war eine Überraschung,
mitten in der Wüste begann es zu regnen. Aber noch
schlimmer, aus dem Regen wurde ein ordentlicher Hagelschauer.
Es hagelte derart, daß Gerhard den Bus am Straßenrand
anhielt, weil er zum weiterfahren nicht mehr genug sah.
Weil wir alle wüstenmäßig bekleidet waren
und es zu einen ziemlichen Temperatursturz kam, begann uns
kalt zu werden. Innerhalb von Minuten war aus dem trockenen
Wüstenboden ein riesiger Schlammsee geworden. Das Wasser
kam in solchen Mengen vom Himmel, daß der Boden nicht
mehr in der Lage war die Massen aufzunehmen. Kleine Bäche
entstanden überall und schwemmten den Sand mit. Wir
saßen in unserem sicheren Bus, aber wer da draußen
unterwegs war, der konnte nur hoffen, daß er möglichst
rasch einen trockenen Ort fand. Karawanen, die früher
auf ungeteerten Wegen unterwegs waren, konnte so ein Regenguß
zum Verhängnis werden. Der Boden weicht in kürzester
Zeit auf und ein vorwärtskommen wird unmöglich.
Gerade in den Salzwüsten, die unter der harten Kruste
ziemlich weich sein können, kann man bei so einem Ereignis
leicht versinken. Darum waren die Durchquerungen der Persichen
Wüsten in früherer Zeit so gefürchtet.
Der Hagel hörte auf und wir fuhren im Regen weiter
über das Kuh-e Esger Gebirge. Durch den mächtigen
Regenguß waren die Straßen an vielen Stellen
überschwemmt. Für unseren Bus war das aber kein
größeres Hinderniß, der war ja geländegängig
und hatte mehr Bodenfreiheit als normale Reisebusse. Als
wir nach weiteren 60 km in Gonabad ankamen waren auch hier
die Straßen noch überflutet, obwohl es schon
lange aufgehört hatte zu regnen. Für die Kinder
war das aber anscheinend ein besondere Freude. Wir bobachteten
wie die durch die großen Pfützen hüpften
und dabei einen riesen Spaß hatten.
Wenden mit Bus und Anhänger wo es eigentlich gar nicht geht
Kurz hinter Gonabad wollten wir eigentlich auf die große
Fernstraße Nummer 13, die von Zahedan nach Mashad
führt. Aber so einfach war das nicht. Wir sind eine
Kreuzung zu früh abgebogen und nach ein paar Kilometern
ging es nicht mehr weiter. Die Straße endete in einem
kleinen Dorf. Vorwärts ging nichts mehr. Da standen
wir nun mitten im Dorf und Gerhard stieg aus, um nach einer
Möglichkeit zum Wenden zu suchen. Aber es gab keinen
ausreichenden Platz, um mit dem langen Gespann am Stück
umdrehen zu können. Gerhard fuhr ein Stück zurück,
bis sich die enge Straße ein wenig verbreiterte. Hier
vollbrachte er dann ein Manöver, bei dem wir alle der
Meinung waren, das könnte nie klappen. Dank der Spezialanhängerkupplung
des Rotel-Busses und einigem hin und rangieren schaffte
er es, daß der Anhänger fast neben dem Bus, aber
in verkehrter Richtung stand. Jetzt mußte der Anhänger
abgekuppelt werden. Inzwischen war scheinbar die Schule
in dem Dorf zu Ende und die ganzen Kinder standen herum
und schauten zu. Kein Wunder, denn wahrscheinlich war in
diesem Dorf noch nie ein so großer und noch dazu roter
Bus mit Passauer Autonummer gesehen worden. Mit dem Bus
fuhr er dann weiter in das Dorf hinein, um dort zwischen
den Häusern zu wenden. Es war ziemlich knapp, sehr
knapp sogar, aber es hat geklappt. Der Anhänger wurde
wieder angekuppelt und es ging zurück. Bei Bilgrand
kamen wir dann endlich auf die richtige Straße. Die
gut ausgebaute Straße führte uns weiter nach
Norden durch ein flaches Plateau, vorbei an den Oasen Emrani,
Mahne und Sadmehr.
Menschenauflauf am Sportplatz
Am späten Nachmittag kamen wir dann in Torbat-e Heidariye
an. Wiederum mußten wir an einem Militärposten
vorbei, die in dieser Gegend an allen Zufahrtsstraßen
zu den Ortschaften waren. Und wie am Abend zuvor bezogen
wir unser Quartier auf dem Gelände des örtlichen
Sportvereins. Innerhalb von Minuten war das ganze Dorf zusammengekommen,
um die Fremden mit ihrem roten Bus zu sehen. Es wurden derart
viele Leute, daß die Polizei eingreifen mußte,
um Gerhard die Möglichkeit zu geben, den Bus vernünftig
parken zu können. Mir ging es an diesem Tag nicht besonders
gut. Irgendwie hatte mich Zarathustras Rache erwischt. Mit war ziemlich schlecht
und ordentlichen Durchfall hatte ich auch. Gut, daß
es in der Sportanlage vernünftige Toiletten gab, die
ich dann auch reichlich ausnutzte. In meiner Reiseapotheke
hatte ich auch für solche Fälle vorgesorgt. Ich
warf mir ein paar Pillen ein, schluckte ein isotonisches
Gebräu, das die Mineralstoffe zurückführt
und aß etwas zu Abend. Anschließend legte ich
mich in meine Koje und schlief bis zum nächsten Morgen
tief und fest durch. Hinterher ärgerte ich mich, daß
mir das gerade an diesem Abend passiert war. Der Bürgermeister
der Stadt lud alle männlichen Reiseteilnehmer ein,
eine ganz besondere sportliche Veranstaltung zu besuchen,
die eben an diesem Abend in der Stadthalle stattfand.
Die Keulenschwinger von Torbat-e Heidariye
Beschreibung folgt noch ...
IntroductionVarzesh-e Pahlavani, widely known as Varzesh-e Bastani by mistake for the past seventy years, was originally an academy of physical training and a nursery for warriors against foreign invaders similar in purpose to Korean, Japanese and Chinese martial arts.
However, throughout the last three thousand years it acquired, and was enriched with, different components of moral, ethical, philosophical, and mystical values of the Iranian civilization. As a result, Varzesh-e Pahlavani emerged as a unique institution having incorporated the spiritual richness of Sufism, traditional rituals of Mithraism, and heroism of Iranian nationalism. The heroes of this academy are called Pahlavans. Many of these Pahlavans were greatly responsible for revolting against Greeks, Arabs and Mongol invaders throughout the history of Iran. Yet the word Pahlavan has been misused throughout centuries, either by the scholars hired by regimes who misrepresented facts to appease the regimes they worked for, or unqualified writers who were not familiar with the institution of Varzesh-e Pahlavani, or simply the masses who did not have access to reliable and accurate sources. The history of Varzesh-e Pahlavani can be traced back to the Parthian Empire of Iran (132 BC - 226 AD). Even the word Pahlavan comes from Parthia (according to one of the most reliable sources on history of the ancient Iran, "History of Ancient Iran" by Hasan Pirnia). According to Pirnia, there is a good chance that even Ferdowsi (935?-1026? AD), the greatest Iranian mythical poet and historian, was referring to the Parthian Period in his "Book of Kings" (in Persian Shah-nameh) when he wrote about the mythical period of the Iranian history. Mithraism reached its peak in this period and eventually spread from Iran to the Roman Empire. There are striking similarities between rituals of Mithraism and Varzesh-e Pahlavani. Even Mithraic temples are similar in structure to Zoorkhaneh's, the place where the rituals of Varzesh-e Pahlavani are practiced. We will allocate some space to cover these similarities in detail. Unfortunately with the invasion of western values into Iran at the turn of the century and the ignorance, as well as poorly designed policies, of the Pahlavi regime towards this tradition, Varzesh-e Pahlavani has lost some of its popularity and there exist a lot of misconceptions about this institution. The goal of this series is to present Varzesh-e Pahlavani and its history in several articles to the worldwide audience, including Iranians living in Iran or abroad, who might not have a clear idea about the subject. Hopefully, we can correct some of the misconceptions associated with Varzesh-e Pahlavani. Also, many heroes of Varzesh-e Pahlavani such as Pahlavan-e Bozorg, Haj Seyyed Hasan Razaz, also known as Pahlavan Shoja'at (~1853-1941), are almost forgotten and instead heroes of the new generation of Iranians are superficial Hollywood characters of the kind of Arnold Schwartzenegger. In my recent trips back home, I was sad to see posters of these socalled supermen (Sylvester Stallone, Van Damm, etc.) in sport shops and newsstands in Tehran. Yet I could not find any poster or printed material about so many Pahlavans who have appeared in the Iranian plateau.The current literature on Varzaesh-e Pahlavani is limited to a few out-of-print and outdated books and a series of articles written (mostly with incorrect information) on the subject within the last fifty years. The only authentic source I can mention that has approached a scholarly work in the area of Pahlavani tradition is a recent book titled "The History of Wrestling in Iran" by Mr. Mehdi Abassi. This book was brought to my attention by Hooshyar Naraghi from Sportestan Publishing. One out-of-print book I can also mention as a reliable source is "Tarikh-e Varzesh-e Bastani (Zoorkhaneh)" (translated as "History of Traditional Iranian Martial Arts") by Mr. Hossein Parto Beizai. With the technology available to us through desktop and web publishing, and the Internet itself as a medium of dissemination of information, I felt this is the right time to present my research on Varzesh-e Pahlavani which I have compiled within the last fifteen years. A Table of Contents is provided at this time, and its topics will be presented systematically in the Iranian Sports Homepage. This will be an evolving endeavor and we will update our pages regularly. We will start with a general timeline, the first timeline ever constructed, that shows the chronology of the evolution of the institution of Pahlavani. The timeline will be also updated regularly as it is going to be supplemented with pictures, audio, video and content about the past three thousand years of
Varzesh-e Pahlavani.
Die sportliche Betätigung in Iran hat in der kulturgeschichtlich bestimmten Variante des "Warsesche Baastaani" in "Sur-chane" ( = Haus des Kraftes) eine außerordentlich lange Tradition, die auf die Zeit nach der Islamisierung durch die Araber zurückgeht, möglicherweise aber noch ältere Vorläufer hat. Es handelt sich um rituelle athletische Übungen, die in den erwähnten "Häusern des Kraftes" stattfinden, mit einem schnellen Drehtanz um die eigene Achse (Tscharchidan) beginnen und dann in Kraft- und Geschicklichkeitsübungen übergehen; dazu gehören Liegestütze auf einem Stützbrett (bis 1000 und mehr), Schwingen und Werfen von Keulen aus Walnussholz (mil), die 40 oder 4-6 kg schwer sind, Stemmen von 60-120 kg schweren Holzschilden (sang) aus der Rückenlage und Hinundherschwingen von schweren eisernen Rasseln in der Form eines Bogens (Kabbaade) über dem Kopf. Den Schluss bildet oft ein Ringkampf. Die einzelnen Übungen werden in ihrem Rhythmus und wechselndem Tempo von einem in erhöhter Position sitzenden Rezitator (Morsched) gelenkt, der Verse aus Firdausis Schahname und religiöse Texte in gesangsähnlicher Form rezitiert und dazu Trommel und Glocke schlägt. Die Athleten (Pahlawan), die mit reichbestickten Lederhosen bekleidet sind, führen ihre Übungen in einem relativ kleinen, vertieften Rund (Go'd = Grube) aus; sie haben ihren "Vorturner" (Miaandar) in der Mitte und begleiten ihre Übungen mit Rufen wie "Ya Allah" und "Ya 'Ali" (= O Allah und O 'Ali). Verschiedene historische Strömungen verbinden sich hier zu einem geistig, moralisch und religiös bestimmten Ritual der Körperertüchtigung, das im 14. Jahrhundert seinen Höhepunkt und seine Ausprägung fand: Dazu gehört das ursprüngliche Ideal des an Firdausis Rustam orientierten Helden, später hinzugekommen ist das Ideal eines Verteidigers des schiitischen Glaubens, insbesondere in der Zeit der Gefährdung durch die ( zumeist arabischen) Vertreter der Sunna. Mit dem letzteren sind auch Momente des Sufiturns hineingekommen, die z. B. in der ordensähnlichen Organisation der Mitglieder eines "Sur-Chane" ihren Ausdruck finden: Bewerber müssen verschiedene Stufen durchlaufen, ehe sie vom Novizen (No'tsche) zum Pahlawan aufsteigen. Die starke Betonung der ethischen Seite, die in Form eines Codex beherrscht werden muß, bringt es mit sich, dass das Sur-Chane in seiner Idealform durchaus nicht auf bloße Muskelprotze beschränkt ist, sondern auch bei den kultur- und traditionsbewussten Kreisen der Elite des Landes in hohem Ansehen steht und dort auch aktive Teilnehmer findet.
Varzeshe Pahlevani im Iran
Sie stemmen schwere Eisenketten, hantieren mit riesigen Holztafeln und schwingen bis zu 30 kg schwere Keulen. Der Morshed, der Trommler, gibt mit wechselnden Rhythmen den Ablauf der einzelnen Bewegungen vor. In atemberaubende Höhen schleudern die Männer die schweren Keulen, fangen sie geschickt auf um sie sofort wieder in die Luft zu werfen. Während der Morshed religiöse Verse und mystische Geschichten singt, drehen sich die Sportler blitzschnell um die eigene Achse.
Wie seit Jahrhunderten trainieren die Männer im Iran auch heute noch im "Zoorkhaneh", im "Haus der Stärke". Frauen haben hier keinen Zutritt. "Der Sport der Helden", wie Varzeshe Pahlevani übersetzt heißt, ist eine der ältesten Kraftsportarten der islamischen Welt
Als im 13. Jahrhundert Reiterhorden aus der Mongolei nach Westen vordrangen, überrannten sie auf ihrem Kriegszug auch Persien. Um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, verboten die Mongolen alle Arten körperlicher Ertüchtigung. Das trieb die Perser in den Untergrund. Sie trainierten an geheimen Orten mit einfachen Hilfsmitteln wie Ketten, Keulen und Holzschilden. Dies, sagt man, sei die Geburtsstunde des Varzeshe Pahlevani.
Mohammad und sein Vater Meshdi leben in der Wüstenstadt Yazd. Beide sind begeisterte Pahlevani-Sportler. Um den Sport in Yazd zu fördern und ihn gegen die moderne Konkurrenz wie Fußball zu bewahren, haben sie einen alten Wasserspeicher gekauft. Das Gewölbe eignet sich hervorragend als "Zoorkhaneh". Moderner und für die Jugend attraktiver müsse der alte Sport werden, sagt Mohammad. Und so verbindet er mit seiner Gruppe die alten Übungen mit akrobatischen Einlagen.
Ein Film von Tilman Büttner
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