
19.
Tag: Teheran - das Aschurah-Fest hautnah
- Startort: Teheran
- Route über: Varamin, Rey
- Zielort: Teheran
- Besichtigungen: Grabmal von Khomeini, Königsstadt Rey,
Ashurah-Fest
- Fahrstrecke: 52 km
Das Ashurah-Fest ist bei den Shiiten einer der wichtigsten
religiösen Termine. Das Fest findet immer im Monat
Moharram statt. Nach unserem Kalender wandert das Fest von
Jahr zu Jahr auf einen anderen Termin, da im Isalm noch
dem Mondkalender gerechnet wird. Zufällig war das in
diesem Jahr der Mai, als wir unsere Reise machten.
Schon während der ganzen Reise machte uns Reiner darauf
aufmerksam, daß die Vorbereitungen für Ashurah
im ganzen Land auf Hochtouren laufen. Zu erkennen war das
an den schwarzen tüchern, die bei vielen Moscheen die
Eingänge verhängten. Eigentlich sollten gerade
zu dieser Zeit erhebich Probleme für "Ungläubige"
auftreten, ein Besuch in einer Moschee wäre überhaupt
nicht möglich. Wir hatten aber ganz andere Erfahrungen
gemacht. Bis auf die Wahlfahrtsmoschee in Shiraz konnten
wir ohne Hindernisse alle anderen Moscheen betreten. Doch
zum Ashurah-Fest später noch mehr.
Das Grabmal von Ajatollah Khomeini
Zunächst hatten wir aber das Grabmal von Ajatollah
Khomeini auf dem Programm. Nach etwa 40 Minuten Fahrzeit
auf einer Art Autobahn stiegen wir schon wieder aus dem
Bus aus. Schon von Weitem konnte man die goldglänzenden
Kuppeln und Minarette des Mausoleums sehen, das außerhalb
von Teheran neu gebaut wurde und wird. Es ist tatsächlich
so, Khomeini ist am 3. Juni 1989 gestorben und seitdem wird
an dem Grabmal gebaut.
Über Gechmack läßt sich ja bekanntlich
streiten, aber mir persönlich gefallen die alten Moscheen
wesentlich besser als das Mausoleum. Die goldenen Kuppeln
und Minarette schauen ein wenig nach Zuckerbäckerstil
und Disneyworld aus. Von der Grundkonzeption wäre es
eigentlich schon eine schöne Anlage, aber das viele
Gold ist dann doch etwas übertrieben. Naja, sei's drum,
den Persern muß es gefallen, nicht mir.
Am Eingang mußten wir wie immer die Schuhe ausziehen.
Eine Wolke von Fußschweiß kam uns aus dem Gebäude
entgegen, so hatte ich das bisher noch bei keiner Moschee
erlebt. Ziemlich überrascht war ich dann, als wir den
grßen Saal betraten. Eine riesige Halle tat sich vor
uns auf, was man dem Bauwerk von Außen nicht ansah.
Der Boden ist mit spiegelblankem Maror belegt, der das Licht
der Fenster kräftig wiederspiegelt. Rund um diesen
Saal gibt es, etwas höher als der normale Boden, eine
vielzahl von Nischen. Das sind die Übernachtungsmöglichkeiten
für die Pilger, die sich kein Hotel leisten können.
Die Pilger kommen aus dem ganzen Land zum Grabmal und da
die Fahrstrecken sehr weit und beschwerlich sind, ist das
eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Schlafen.
In der Mitte des Raumes steht, wie auch bei anderen Grabmälern
mit berühmten Persönlichkeiten, ein großer
Gitterkäfig und darin der Sarkopharg Khomeinis. Darüber
hängt ein riesiger Kronleuchter und rund herum sitzen
und stehen die Gläubigen und beten.
Abgesehen von der nicht besonders schönen Stahlkonstruktion
des Daches, ist das Ganze schon beeindruckend. Am allermeisten
gefiel mir aber die ungezwungene Art der Menschen die hierher
zur Walfahrt kommen. Die Kinder laufen umher und spielen,
eine Gruppe beobachtete ich bei einer Art Pfennigfuchsen.
Völlig undenkbar in einer unserer christlichen Kirchen, was würden
sich die Leute da aufregen. Andere sitzen still irgendwo
auf dem Boden und lesen im Koran, wieder andere stehen am
Rand und unterhalten sich. Eine angenehme und lockere Athmosphäre.
Neben der Grabanlage befindet sich ein riesiger Friedhof.
Da es für viele Shiiten sehr erstrebenswert ist, in
der Nähe einer für ihr Verständnis herausragender
Persönlichkeit begraben zu sein, ist der Andrang auf
Gräber enorm. So ist im Laufe der Jahre ein Komplex
entstanden, der täglich zehntausende von Menschen anzieht,
die das Mauoleum und die Toten Verwandten besuchen wollen.
Beim Verlassen des Grabmals konnten wir an Hand einer weiteren
Kuppel die Bauweise der Moscheen erkennen. Zunächst
wird ähnlich wie beim Schiffbau mit Spanten die Kuppel
geformt, die dann mit Holz verschalt wird. Auf diese innere
Kuppel wird dann in einer zweiten Lage die eigentliche Kuppel
aufgesetzt. Das Baugerüst sieht abenteuerlich aus,
es besteht aus Holzstämmen, die mit Seilen untereinander
verbunden werden, aber es hält scheinbar recht gut.
Auf unserem Weg nach Rey fuhren wir an einigen Ziegeleien
vorbei. Die wurden vor einiger Zeit allesamt stillgelegt,
weil sie wegen ihres Alters nicht mehr auf dem neuesten
Stand der Technik waren und die Umwelt massiv belasteten.
Obwohl der Iran beinahe noch ein Entwicklungsland ist, wird
an verschiedenen Stellen doch auf die Umwelt geachtet.
In Rey angekommen, konnten wir vor lauter Menschen erst
einmal nicht aus dem Bus aussteigen. Jetzt waren wir mittendrin.
Das Ashurah-Fest hatte seinen Höhepunkt erreicht. Überall
waren Menschen unterwegs um an den Feiern teilzunehmen.
Man merkte unserem Reiseleiter an, daß ihm nicht wohl
in seiner Haut war. Er hatte echte Bedenken um seine Reisegruppe.
Das war nicht verwunderlich, denn während der Golfkriege
war die Bevölkerung an diesen Tagen geradezu fanatisch.
Das Ashurah-Fest
Leider konnte ich bis heute nicht besonders viel über
das Ashurah-Fest in Erfahrung bringen. Auch im Internet
fand ich bisher nur sehr wenige Informationen. Der Anlaß
des Festes scheint klar zu sein, doch über den Ablauf
konnte ich so gut wie nichts erfahren. Ich hoffe, daß
meine nachfolgende Beschreibung richtig ist. Sicher bin
ich mir aber nicht.
Der Ursprung des Festes ist eigentlich nicht besonders
erfreulich. Es sind eigentlich Trauertage wegen eines Mordes.
Notizen zum Ashurah
www.ashura.com
www.islam.de
In der südirakischen Stadt Kerbala gedenken dieser Tage Zehntausende schiitischer Pilger des Imams Hussein, der im Jahre 680 in der Schlacht bei Kerbala getötet wurde.
Die Feiern zum Tod des Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed, sind ein wichtiges Datum für die schiitische Bevölkerungsmehrheit im Irak. Der eigentliche Todestag war vor 40 Tagen zu Ashurah, dem 10. Tag im islamischen Monat Muharram.
Der Ashurah-Tag markiert das Ende der 40-tägigen Trauerperiode.
die Menschen schwenken die grüne Fahne des Propheten und weisse Banner, auf denen das leidende Gesicht des Imams aufgemalt ist. Sie rufen «Allahu akbar»
Die Pilger kasteien sich, indem sie den rechten Arm vor die Brust schlagen.
Fasten- und Rettungstag des Propheten Mose. Nach islamischer Zeitrechnung ist Asure der 10. Tag des ersten Monats Muharrem. In diesem Monat wurde Noah mit der Arche vor der Sintflut bewahrt.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Christliche Kirche
Im schiitischen Islam steht dieser Tag im Gedenken an den Märtyrertod des Prophetenenkels
Husain in der Schlacht von Kerbela 680. Husain gilt bei den Schiiten als dritter rechtmäßiger
Nachfolger Muhammads in der Führung der Gemeinde. Besonders im Iran werden
Trauerspiele veranstaltet, an den schiitischen Heiligtümern finden Prozessionen statt, bei
denen sich die Teilnehmer unter Klagerufen an die Brust schlagen
1) Schiitischer bzw. alevitischer Gedenktag an die Ermordung von Hussein, den Sohn des
Kalifen Ali und seiner 72 Gefährten durch Soldaten des Omaijaden-Führer Yezid bei der Schlacht
am 18.10. 680 in Kerbela (heute Irak). Nach 12 Tage Fasten wird Aschure gekocht und an
Nachbarn und in der Umgebung verteilt. Aschure ist eine Süßspeise aus 12 verschiedenen
Zutaten, die variieren können und die die 12 Imame symbolisieren sollen.
2) Nach dem Glauben der Sunniten war der Prophet Noah mit der Arche unterwegs. Eines
Tages gab es kein Essen mehr, und auf dem Boot wurden alle restlichen Körner zusammengesammelt.
Als gerade das letzte Mahl gegessen war, kam eine Taube mit einem Zweig im Schnabel und alle wußten,
daß es Land in der Nähe gab und sie gerettet waren. Zur Erinnerung daran wird an diesem Tag eine
Süßigkeit mit vielen Körnern gekocht und gemeinsam gegessen.
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